Erst zuhören, dann schreiben
Die besten Zeilen über Opa hast du vermutlich schon hundertmal gehört. Bevor du loslegst, setz dich bei einem Kaffee zu ihm und stell drei Fragen: Womit hast du dein erstes eigenes Geld verdient? Wie hast du Oma kennengelernt? Auf welche Arbeit bist du heute noch stolz? Nimm das Gespräch mit dem Handy als Sprachmemo auf, wenn er einverstanden ist. Frag außerdem deine Eltern, welche Geschichte er bei jedem Familienfest erzählt. Nimm die, bei der alle seinen Satz zu Ende sprechen können.
Werkstatt, Garten, Garage: wo Opa zu Hause ist
Fast jeder Opa hat einen Ort, an dem er ganz er selbst ist. Die Werkbank im Keller mit den Schrauben, sortiert in alten Marmeladengläsern. Der Schrebergarten mit Tomaten, die er mit Namen kennt. Die Garage, in der er samstags das Auto wäscht, obwohl es sauber ist. Der Angelplatz am See, die Taubenzucht, der Stammtisch im Gasthaus. Erzähl auch, was er für die Enkel repariert oder gebaut hat: das Fahrrad, das Puppenhaus, das Vogelhäuschen. Solche Dinge sieht man beim Zuhören vor sich.
Opas Sprüche gehören in den Refrain
„Wer billig kauft, kauft zweimal.“ „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ „Das hält ewig.“ Jeder Opa hat Sätze, die die Enkel nachmachen können. Ein solcher Spruch als letzte Zeile im Refrain sorgt dafür, dass beim zweiten Durchgang alle mitsingen. Sagt er ihn im Dialekt, schreib ihn so auf, wie er klingt. Gesungen wird zwar auf Hochdeutsch, ein einzelnes Mundartwort kommt aber oft gut an. Hör dir die Versionen an und nimm die, in der es am natürlichsten klingt.
Anlässe für ein Lied an Opa
- Geburtstag: als Programmpunkt an der Kaffeetafel, wenn alle Enkel da sind.
- Ein Danke: für die Fahrstunden auf dem Feldweg, für das Geld zum Führerschein, für jedes reparierte Fahrrad.
- Er wird Uropa: der Moment, in dem vier Generationen an einem Tisch sitzen.
- Nach Omas Tod: behutsam, als Zeichen, dass die Familie an ihn denkt.
- Ein Umzug ins Heim: damit seine Geschichten mitkommen.
Wie Opa das Lied am besten erlebt
Setz dich neben ihn, statt ihm das Handy in die Hand zu drücken. Spiel das Lied zweimal: beim ersten Mal erkennt er seine Geschichten, beim zweiten Mal kann er die Enkel beim Mitsingen beobachten. Gib ihm den Text auf Papier, damit er ihn später seinen Nachbarn oder den Kumpels vom Stammtisch zeigen kann. Ein erzählender Stil wie Country oder Akustik passt zu einem Lied, das von Geschichten lebt.
Beispieltext (frei erfunden, für „Opa Werner“ zum 85.)
Ein Beispiel, damit du siehst, wie konkret ein Text werden kann. Dein Song wird aus deinen Angaben geschrieben.
[Verse 1] Im Keller hängt dein Werkzeug, jedes Stück an seinem Haken Die Schrauben in den Gläsern, beschriftet mit Bleistift Du hast mein erstes Fahrrad dreimal neu zusammengebaut Und gesagt: Das hält jetzt ewig, und es hielt bis heut [Chorus] Opa Werner, erzähl noch mal vom Winter damals Als der Schnee bis an die Fenster stand und du zu Fuß zur Schicht Wir kennen jedes Wort und hören trotzdem zu Weil keiner so erzählen kann wie du [Outro] Erst die Arbeit, dann das Vergnügen, sagst du immer Heute, Opa, ist dein Vergnügen dran